ETHistory 1855-2005

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Soziologie

Institutionelle Entwicklung

Erste Diskussionen über die Einrichtung einer Professur für Soziologie an der ETHZ fanden in den 1960er-Jahren statt. Damals ortete man für die soziologischen Wissensbereiche erhebliche Lücken im Lehrangebot der Hochschule. 1980 hiess die Schulleitung eine Professur für Allgemeine Soziologie gut, die 1990 mit Marlis Buchmann besetzt wurde. Da die Inhaberin der Professur bald darauf (1993) einen Ruf an die Universität Zürich erhielt, wurde das Ordinariat geteilt. Seither ist Marlis Buchmann zu gleichen Teilen an der Universität sowie an der ETH tätig. Mit der Teilung der Professur wurde eine zusätzliche, befristete Assistenzprofessur eingerichtet, welche sich Manuel Eisner und Christian Suter zwischen 1996 und 2002 teilten. 2003 wurde ein Ordinariat mit dem Schwerpunkt in Umweltsoziologie eingerichtet, das im Jahr darauf mit Andreas Diekmann besetzt wurde.

Soziologie an der ETHZ

Die Soziologie zählt zu jenen Disziplinen, die aus den Restrukturierungsprozessen der geistes-, sozial- und staatswissenschaftlichen Abteilung Ende der 1990er-Jahre gestärkt hervorgingen. Die Schaffung eines zusätzlichen Ordinariats mit Schwerpunkt in Umweltsoziologie bestätigt dies. Dessen Programm in Lehre und Forschung wurde von Beginn weg auf die Belange einer technischen Hochschule ausgerichtet. Themen, die an der Schnittstelle von Technik und Gesellschaft angesiedelt sind, finden hier besondere Beachtung. Durch die Doppelprofessur Marlis Buchmanns ist überdies eine besonders enge Kooperation mit dem soziologischen Institut der Universität Zürich gewährleistet. Die institutionelle Vernetzung ermöglicht es, Forschungsprojekte gemeinsam durchzuführen.

Forschung im Bereich Umweltsoziologie
Forschung im Bereich Umweltsoziologie

Tätigkeitsbereiche: Forschung & Lehre

Die Soziologie hat an der ETHZ in den Curricula verschiedener Fachabteilungen einen festen Stellenwert erlangt, so namentlich in denjenigen der Forstwissenschaft, der Informatik, der Elektrotechnik und der Umweltnaturwissenschaften. Ausgehend von konkreten gegenwärtigen und fachspezifischen Problemstellungen vermittelt sie den Studierenden soziologisches Wissen und die diesem zugrunde liegenden Fragestellungen und Methoden. Fest etabliert sind dabei die Bereiche soziale Schichtung, Ungleichheit, Mobilität, sozialer und kultureller Wandel sowie Umweltsoziologie. Auf diesen Grundlagen basierend werden Problemstellungen behandelt, die für eine technische Hochschule spezifisch sind, z. B. Biotechnologie, Risikoforschung oder Technologiefolgeprobleme. Neben der Lehrtätigkeit übernimmt die Soziologie bei verschiedenen interdisziplinären Forschungsprojekten Beratungsfunktionen.

In Internet-Auktionsmärkten handeln anonyme Käufer und Verkäufer miteinander. Die gegenseitige Bewertung nach einer erfolgten Transaktion ermöglicht es, bei zukünftigen Geschäften die Vertrauenswürdigkeit eines Partners zu beurteilen. Ob ein solches Reputationssystem alleine Vertrauen und Kooperation herstellen kann, lässt sich mittels multi-agenten Simulationen am Computer untersuchen.
Die drei Graphiken zeigen den Verlauf eines ökologischen Turniers, an dem unterschiedliche Käufer- und Verkäuferstrategien teilnehmen. In der Käuferpopulation (Abbildung A) kann sich die Strategie RT 25 C durchsetzen. Diese kann betrügerische Verkäufer gegenüber vertrauenswürdigen diskriminieren, kooperiert in ihrer ersten Interaktion jedoch bedingungslos. In der Verkäuferpopulation (Abbildung B) kann sich die vertrauenswürdige Strategie All C nur deshalb behaupten, weil RT 25 C es ihr mit der ersten Kooperation ermöglicht, eine gute Reputation aufzubauen. Interaktionen, bei denen gegebenes Vertrauen erwidert wird, nehmen gegenüber Interaktionen, in denen keine Transaktion stattfindet, sowie Transaktionen, in denen Vertrauen missbraucht wird, zu (Abbildung C).
Käuferstrategien, die auf die Reputation der Verkäufer achten, dabei aber nicht zu streng sind, haben Erfolg und Vertrauen und Kooperation gewinnen die Oberhand.
In Internet-Auktionsmärkten handeln anonyme Käufer und Verkäufer miteinander. Die gegenseitige Bewertung nach einer erfolgten Transaktion ermöglicht es, bei zukünftigen Geschäften die Vertrauenswürdigkeit eines Partners zu beurteilen. Ob ein solches Reputationssystem alleine Vertrauen und Kooperation herstellen kann, lässt sich mittels multi-agenten Simulationen am Computer untersuchen. Die drei Graphiken zeigen den Verlauf eines ökologischen Turniers, an dem unterschiedliche Käufer- und Verkäuferstrategien teilnehmen. In der Käuferpopulation (Abbildung A) kann sich die Strategie RT 25 C durchsetzen. Diese kann betrügerische Verkäufer gegenüber vertrauenswürdigen diskriminieren, kooperiert in ihrer ersten Interaktion jedoch bedingungslos. In der Verkäuferpopulation (Abbildung B) kann sich die vertrauenswürdige Strategie All C nur deshalb behaupten, weil RT 25 C es ihr mit der ersten Kooperation ermöglicht, eine gute Reputation aufzubauen. Interaktionen, bei denen gegebenes Vertrauen erwidert wird, nehmen gegenüber Interaktionen, in denen keine Transaktion stattfindet, sowie Transaktionen, in denen Vertrauen missbraucht wird, zu (Abbildung C). Käuferstrategien, die auf die Reputation der Verkäufer achten, dabei aber nicht zu streng sind, haben Erfolg und Vertrauen und Kooperation gewinnen die Oberhand.

Schwerpunkte / Professuren

Die Themenbereiche von Marlis Buchmann (seit 1990 ordentliche Professorin, seit 1993 zu 50%) in Lehre und Forschung sind Bildung, Beruf und Arbeitsmarkt. Im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Zukunft Schweiz" leitet sie zwei Forschungsprojekte. Das eine untersucht die Determinanten der Arbeitsmarktbindung in der Schweiz. Das andere analysiert die Nachfrage nach Arbeitsqualifikation in langfristiger Perspektive (1950-1995).

Die Forschungsinteressen von Andreas Diekmann (seit April 2003 ordentlicher Professor) liegen in der Umwelt-, Arbeitsmarkt- und Bevölkerungssoziologie. Er beschäftigt sich ausserdem mit den Methoden der Sozialforschung, insbesondere der Verwendung spieltheoretischer Modelle. Aktuell befasst sich Diekmann mit der Entstehung sozialer Normen, der Entwicklung von Systemen sozialer Kooperation sowie der Analyse sozialen Wandels.


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