ETHistory 1855-2005

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Forschung

Die Forschung des D-ERDW war in den letzten Jahrzehnten noch stark beeinflusst von der erdwissenschaftlichen Revolution der Plattentektonik, die Ende der sechziger Jahre stattgefunden hatte. Damals wurde realisiert, dass die festen oberen Schichten der Erde (so genannte Lithosphärenplatten) laufend neu gebildet werden und zum Teil wieder in den tieferen Erdmantel abtauchen. Dies bedeutet, dass sich die Anordnung der Kontinente und der Meere in der Erdgeschichte langsam aber laufend verändert hatte. Mit der nachfolgenden Intensivierung der Meeresforschung wurde es zum ersten Mal möglich, physikalische, chemische und biologische Prozesse auf der Erde in einem globalen Massstab zu verstehen. Die oft ausgezeichnet erhaltenen Meeressedimente konnten durch Tiefseebohrungen sedimentologischen, mikropaläontologischen und geochemischen Untersuchungen zugänglich gemacht werden. Sie bilden ein Umweltarchiv von einmaliger Bedeutung für die Rekonstruktion der Erdgeschichte der letzten 150 Millionen Jahre.

Diese globale Ausrichtung der Erdwissenschaften rief natürlich auch nach internationaler Zusammenarbeit und Koordination. Die Erdwissenschafterinnen und Erdwissenschafter der ETH nutzten diese Gelegenheiten und beteiligten sich intensiv und erfolgreich an der Konzipierung und Durchführung zahlreicher neuer internationaler Forschungsprojekte. Zu den prominentesten unter diesen zählen die Tiefsee-Bohrprogramme (DSDP, ODP, IODP) und die “Europäische Geotraverse”, die auch durch die Schweizer Alpen führte.
Diese Zusammenarbeit in internationalen Programmen befruchtete den methodischen und wissenschaftlichen Fortschritt und führte zu wesentlichen neuen Erkenntnissen, aber auch zu wissenschaftlichen Kontroversen. Besonders zu erwähnen sind hier die Entdeckung einiger relativ kurzfristiger Ereignisse in der jüngeren Erdgeschichte, wie das Austrocknen des Mittelmeeres vor fünf Millionen Jahren, das Massenaussterben vor 65 Millionen Jahren sowie mehrere Intervalle globaler Tiefenwasseranoxia vor ca. 85-125 Millionen Jahren. Bei all diesen Erkenntnissen leisteten Angehörige der Erdwissenschaften der ETH jeweils wesentliche Beiträge.
Auch bei regionalen und angewandten Fragestellungen und Entwicklungen waren Mitglieder des D-ERDW immer wieder massgeblich beteiligt, so bei den Grossbauten der Alpentransversalen, bei Projekten zu verschiedenen Naturgefahren (Erdbeben, Hochwassern, Bergstürzen), in der Seeforschung und bei der Untersuchung zur nachhaltigen Nutzung des Untergrundes.


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