ETHistory 1855-2005

03010204


Problemlagen

Die Architekturschule der ETH Zürich hat sich in den letzten Jahrzehnten - einmal abgesehen von den üblichen und notwendigen inneren Auseinandersetzungen - als ziemlich krisenresistent erwiesen und somit bewährt. Krisen waren eher in den von und nach aussen vermittelten 'Szenarien', zur Zukunft des Architekten etwa, zu erkennen. So fürchtete man eine Saison lang, dass die GU's (Generalunternehmungen) demnächst den Architekten ersetzen oder ihn zum blossen Dekorateur zurückstutzen würden, sowie in den USA der "developper" nun einmal weit wichtiger als der Architekt sei. Der Architekt mit dem berühmten 3B-Bleistift, das den 'richtigen' Strich zwischen (blosser) Skizzierung und präziser festgefügter Linie auf das Papier setzt, genauso wie schon Alberti das abstrakt Konzipierende und das exemplarisch Vorwegnehmende in dem einen Vorgang des Modellbildens zuammengefasst hatte, dieser Architekt hat allen Weissagungen zum demnächst drohenden Untergang getrotzt. Nichts von all dem - und von der Gratwanderung zwischen Kunst und Wissenschaft - ist verschwunden. CAAD wird allmählich zum 'richtigen' Stellenwert, als Routine, gehandelt; ein Instrument wie jedes andere auch. Genauso - oder beinahe so - verhielt es sich mit den künstlerischen Trends und Moden. Die "Postmoderne" wurde hier kaum gesehen (oder behielt ihr modernistisches Kleid), die "Dekonstruktion" fand sich meist genauso nur über die Integration in überkommende Lehr- und Architekturvorstellungen wieder. Trotzdem liegt die grösste Herausforderung und Gefahr wohl in der Versuchung der heutigen - vordergründigen - Bildkultur. Man muss es dem Zeitgeist in die Schuhe schieben. Insgesamt erweist sich die Stärke der Architekturschule gleichwohl in ihrer Konstanz. Sie ist dabei nicht etwa konservativ ablehnend. Doch sie nimmt nur auf, was sie zuerst überprüft und für gut befunden hat: ein durchaus pragmatischer Zugang, was den Abgängern der Schule ganz zu deren Vorteil als ETH-Etikett auch anhängt. Die Absolventen der Architekturschule der ETH sind nach wie vor begehrt. Die Architektur und ihre Schule blühen.


© 2005 ETHistory 1855-2005 | Last update: 7.3.2005 |
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