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ETHistory 1855-2005 | Besichtigungen | Orte | VAW |

Die Versuchsanstalt für Wasserbau

Die 1930 eröffnete "Versuchsanstalt für Wasserbau an der ETH Zürich" funktionierte von Anfang an als Dienstleistungsbetrieb. Als Schnittstelle zwischen Markt und Wissenschaft war sie starken Konjunkturschwankungen ausgesetzt.

Im Jahr 1975 beantragte der Leiter der Versuchsanstalt für Wasserbau VAW, Professor Daniel Vischer, beim Schweizerischen Schulrat die Umwandlung seines Instituts in eine Annexanstalt der ETH. Die Verwandlung in ein quasi selbstständiges Unternehmen hätte für die VAW mehr Selbstbestimmung aber auch einen erhöhten wirtschaftlichen Rentabilitätsdruck bedeutet. Der Schulrat entschloss sich aus Sorge um die Gewährleistung des Lehrauftrags und die innerschulische Zusammenarbeit gegen das Vorhaben. Auch der seit den 1960er-Jahren geplante Neubau der VAW kam nicht zustande, weder auf den 1975 gekauften Bauparzellen in Dübendorf, noch an der ETH Hönggerberg, wo der Vizepräsident für Planung und Entwicklung in den 1990er-Jahren ein neues Institutsgebäude ansiedeln wollte. Die damit verbundene Abklärung der Bedürfnisse durch eine aus Schulleitung, Dozentenschaft und Praxis zusammengesetzte Arbeitsgruppe fiel negativ aus.

Von Anfang an als Dienstleistungsbetrieb konzipiert, war die Versuchsanstalt für Wasserbau starken Konjunkturschwankungen ausgesetzt. Ausgehend davon, dass wasserbautechnische Probleme in der Regel zu komplex sind, um sie auf rein rechnerischem Weg zu modellieren, setzten zu Beginn des 20. Jahrhunderts erste Bestrebungen ein, am eidgenössischen Polytechnikum ein Laboratorium für hydraulische Modellversuche einzurichten. Nachdem zwei Vorstösse zur Gründung eines "Flussbaulaboratoriums" an der Skepsis und der Geldknappheit des Bundes gescheitert waren, richtete eine vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein SIA und der Gesellschaft ehemaliger Polytechniker GEP initiierte "Propagandakommission" 1925 einen Spendenaufruf an Privatwirtschaft, Behörden, Elektrizitätswerke und Industrie. Innerhalb kürzester Zeit kam ein Kapital von 480'000 Franken zusammen, das den Bund dazu bewog, die restlichen zwei Drittel der Aufbaukosten bereitzustellen.

Am 26. April 1930 konnte die "Versuchsanstalt für Wasserbau an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich" offiziell in Betrieb genommen werden. Neben Lehr- und Forschungsaufgaben hatte sie einen expliziten Dienstleistungsauftrag zu erfüllen: "Endlich führt das Institut wasserbauliche Versuche aus in direktem Auftrage der Praxis, und zwar sowohl auf dem Gebiete des Flussbaues als der Wasserkraftnutzung", schreibt der erste Anstaltsleiter Eugen Meyer-Peter in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der ETH. Die ursprünglich geplante organisatorische Zweiteilung des Laboratoriums in eine Abteilung "für Lehr- und Forschungszwecke" mit "ständigem Personal" und eine Abteilung für Auftragsarbeiten mit "provisorischem Personal", wie es die Schulratsprotokolle vom April 1926 noch vorsahen, wurde allerdings nicht ausgeführt.

In den ersten Jahrzehnten ihres Betriebs zeichnete sich die VAW durch einen hohen Selbstfinanzierungsgrad aus: Die mittels Expertisen erwirtschafteten Einnahmen deckten in der Regel mehr als die Hälfte der Betriebskosten. Die VAW wurde zum institutionellen Anker für zahlreiche Fusionen und Erweiterungen in denen - neben personellen Veränderungen - wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Trends zum Ausdruck kamen. Bereits 1935 wurde die VAW um die Abteilung für bodenmechanische und grundbauliche Untersuchungen ergänzt, eine wesentliche Erweiterung des Forschungs- und Aufgabengebietes, die sich allerdings erst elf Jahre später in der Namensänderung "Versuchsanstalt für Wasser- und Erdbau" VAWE niederschlug. 1936 wurde dem gefragten Dienstleistungsbetrieb die zum Zweck des Gewässerschutzes gegründete Beratungsstelle "Abwasserreinigung und Trinkwasserreinigung" hinzugefügt, die sich neun Jahre später als ETH-Annexanstalt "Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz" EAWAG selbstständig machte.

Eine dritte wesentliche Vergrösserung vollzog sich 1941 durch die Angliederung des Instituts für Gewässerkunde unter der neuen Bezeichnung "Abteilung für Hydrologie". Diese Erweiterung der VAW um Fragen des Wasserabflusses war insbesondere durch den alpinen Kraftwerk- und Talsperrenbau motiviert. Gleichzeitig erhoffte man sich durch die institutionelle Umschichtung, bei der das ehemalige Institut für Gewässerkunde der Professur für Wasserbau untergeordnet wurde, einen auch ökonomisch spürbaren Flexibilitätsgewinn: "Ich möchte nochmals daran erinnern, dass wir mit der Angliederung des Instituts für Gewässerkunde im wesentlichen das Ziel verfolgen, beim zukünftigen unerlässlichen Ausbau des Lehrstuhles und der Versuchsanstalt für Wasserbau dadurch Einsparungen zu ermöglichen, dass der Leiter der neuen Abteilung für Hydrologie zur Entlastung des Professors für Wasserbau und dieser Versuchsanstalt herangezogen werden könnte", schreibt der Schulrat im Sommer 1940.

Die Boomjahre der Wasserkraft zwischen 1950 und 1970 schlugen sich im Raum- und Personalbedarf der Versuchsanstalt deutlich nieder. So bezog das Institut 1951 einen Erweiterungsbau und hatte 1970 mit 130 Mitarbeitern seinen Personalanteil mehr als verdoppelt. Ebenso sichtbar wurde dann allerdings die Stagnation im Kraftwerkbau ab Mitte der 1970er-Jahre. Der Konjunkturknick ging einher mit einer Umstrukturierung der VAWE: 1970 bzw. 1971 folgten die Abtrennungen und Umwandlungen der Erdbau- sowie der Hydromechanikabteilung in eigenen Institute.

Der verbleibende Teil der VAWE wurde in "Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie" umbenannt, ein Zusammenschluss, der Ende der 1970er-Jahre erneut umgruppiert wurde: 1979 formierten sich die Hydrologie und Glaziologie zu eigenen Abteilungen. 1983 wurde die Hydrologieabteilung an das Geografische Institut transferiert, um eine engere Zusammenarbeit mit den dort angesiedelten Forschungsgruppen Klimatologie und Geo-Informatik zu ermöglichen.

Die VAW selbst war seit dem Rückgang des Wasserkraftanlagenbaus um eine Neuausrichtung ihrer Lehre und Forschung bemüht: Berechnungen für wasserwirtschaftliche Mehrzweckanlagen in Entwicklungsländern sowie Probleme des Siedlungswasserbaus, des Flussbaus und des Hochwasserschutzes in der Schweiz gehörten zu den neuen Forschungsschwerpunkten. Trotz beträchtlicher Auftragsforschung gerieten die aufwändigen physikalischen Modellversuche der VAW in einer Zeit computergenerierter Simulationen zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Es kam so weit, dass Anfang der 1990er-Jahre ein vollständiger oder teilweiser Abbau des VAW-Dienstleistungsangebots in Erwägung gezogen wurde, eine Sparmassnahme, die der Schulrat insbesondere mit dem Vormarsch der Computertechnik begründete. "Fehlinformationen" seien das, wehrten sich die Wasserbauer. "Für dreidimensionale und rasch ändernde Fliessvorgänge mit Geschiebe fehlen mathematisch formulierte Theorien. Und ohne Formeln keine Computersimulation!", argumentierte etwa der Wasserbau-Ingenieur Niklaus Schnitter in einem Leserbrief in der Neuen Zürcher Zeitung vom 24. September 1991. Eine radikale "Redimensionierung der Versuchsanstalt für Wasserbau" konnte schliesslich verhindert werden. Aber auch radikale Neupositionierungen, wie sie etwa in den eingangs erwähnten Bestrebungen nach institutioneller Selbstständigkeit zum Ausdruck kamen, konnten sich nicht durchsetzen.

Monika Burri

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