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ETHistory 1855-2005 | Besichtigungen | Orte | ZRIGL |

Das Labor für Isotopen-Geochemie

Prinz Andrew an der ETH Zürich: Zur Eröffnung des neu eingerichteten Labors für Isotopen-Geochemie im März 2002 hatte sich die ETH mit einem passenden Aufmerksamkeitsgaranten assoziiert.

"My brain has grown inches since this morning", lautete Prinz Andrews Humoroffensive anlässlich der Besichtigung des neuen ETH-Labors für Isotopen-Geochemie. In seiner Eigenschaft als Sonderbeauftragter für internationale Investitionen und Handel des britischen Königreichs hielt sich der Duke of York im März 2002 für eineinhalb Tage in der Schweiz auf und beehrte eine geballte Serie von Eröffnungsfeiern, Preisverleihungen und Gala-Diners mit seiner unübersehbaren Anwesenheit. Im "Grand Hotel Dolder" enthüllte er ein neues Edel-Modell der Marke Range Rover, im Technopark verlieh er den "ZKB-Pionierpreis" und stellte ein neues Förderungsprogramm namens "Intellimetrics" vor. An der ETH weihte His Royal Highness das neu eingerichtete Labor für Isotopen-Geochemie ein. "Ein sehr kopflastiges Programm", hatte die Presse bereits im Voraus gewarnt. Folglich ein willkommener Anlass, um die Belastbarkeit eines nicht gerade für seine Diplomatie berühmten Repräsentations-Profis einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. "Auch ein Prinz ist bloss ein Mensch, der manchmal nicht mehr weiss, wie er stehen oder sitzen soll", diagnostizierte beispielsweise die Boulevard-Zeitung Blick und arrangierte "Prinz Andrews Körpersprache während seines Zürich-Besuchs" als Foto-Collage mit dem Titel "Royale Müdigkeit".

In Aktion oder ...
In Aktion oder ...
... im Gespräch: Der glamouröse Gast ...
... im Gespräch: Der glamouröse Gast ...
Fast - aber nicht ganz -  geriet dabei der eigentliche Grund der glamourösen Visite an der ETH Zürich aus dem Blickfeld. Kurz zuvor war aus Grossbritannien ein forschungstechnisches Prunkstück eingeflogen worden: ein hochauflösendes Multi-Kollektor-Plasma-Massenspektrometer für Magnesium, Chrom und Eisen, weltweit das erste seiner Art. Die britische Firma "Nu Instruments" hatte den High-Tech-Apparat für Isotopenstudien in zweijähriger Bauzeit eigens für Zürich angefertigt. Für die Installation des vier Tonnen schweren Magnets, dem Kernstück der Messanlage, hatte die ETH sogar einen Kran gekauft. Das raumgreifende Messgerät mit dem sinnigen Kürzel "BIG" war aber nicht die einzige Neuanschaffung, die anlässlich der Einweihung des Zurich Radiogenic Isotope Geochemistry Lab ZRIGL der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Mit einem Instrumentenpark im Wert von 20 Millionen Franken präsentierte der damalige wissenschaftliche Leiter Alexander N. Halliday die Räumlichkeiten an der Tannenstrasse als "das bestausgerüstete isotopenchemische Labor der Welt".
... sorgt durchgehend für Aufmerksamkeit.
... sorgt durchgehend für Aufmerksamkeit.
Seit der Berufung des britischen Geologen 1998 ans Departement für Erdwissenschaften zog die Isotopen-Geologie der ETH Zürich regelmässig die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich. Im Frühjahr 2002 beispielsweise konnte Hallidays Team nachweisen, dass Erd- und Mondgestein sich in der Sauerstoffisotopen-Zusammensetzung so stark ähneln, dass sie vermutlich aus dem gleichen Mutter-Planeten stammen. Mit Messanlagen vom Kaliber eines "BIG" sollten nun schon kleinste Mengen von Isotopen nachgewiesen werden können. Die durch die Zahl der Neutronen gekennzeichneten Isotope eines Elements besitzen zwar alle die gleichen chemischen Eigenschaften, sie sind jedoch über ihre Kernmasse analysierbar.

Untersuchungen der Isotopenzusammensetzungen von geologischen oder kosmischen Fundstücken können sehr geringe, aber systematische Variationen aufzeigen, die Aussagen über Herkunft und Alter sowie über den Verlauf geologischer, umweltbezogener und planetarer Prozesse erlauben.

Wie und warum entstand die Sonne? Wie bildeten sich vor ungefähr 4,5 Milliarden Jahren feste Körper im solaren Nebel? Woher erhielt die Erde ihre Atmosphäre? Zu solch fundamentalen Fragen soll das neue hochauflösende Verfahren der Isotopenmessung systematische Studien ermöglichen. "An der ETH ist solche sehr aufwändige, und nicht auf den ersten Blick nützliche Grundlagenforschung noch möglich - dies etwa im Gegensatz zu den USA", erklärte Halliday anlässlich der Laboreinweihung gegenüber der Online-Zeitung ETH Life (ETH Life, 22.3.2002). Zu den weit gesteckten Forschungsgebieten gehören nicht nur die Entwicklungsgeschichte des Sonnensystems oder der Verlauf von Meeresströmungen in der erdgeschichtlichen Frühzeit. Auch Zahnschmelz-Proben von der Steinzeitleiche Ötzi wurden anlässlich der Eröffnung als Untersuchungsgegenstand genannt. Die unter sterilen Verhältnissen durchzuführenden Isotopen-Analysen sollen Hinweise zum Herkunftsort der prominenten Gletschermumie liefern. Mit einem "blaublütigen" Prominenten als international erkennbarem Eröffnungspaten hatte die dezidiert auf globalem Parkett agierende ETH-Spitzenforschung auf jeden Fall einen passenden Aufmerksamkeitsgaranten gefunden.

Monika Burri

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